9. Juli 2026
Brennen Elektroautos wirklich häufiger? Was hinter dem Mythos steckt
Elektroautos seien wahnsinnig gefährlich, weil sie einfach so anfingen zu brennen. So lautet die landläufige Meinung am Stammtisch, in der WhatsApp-Gruppe oder bei der nächsten Familienfeier. Kaum ein Thema rund um die Elektromobilität hält sich so hartnäckig wie die vermeintliche Brandgefahr. Doch was ist dran? Die kurze Antwort vorweg: erstaunlich wenig. Dieser Beitrag erklärt, woher der Mythos kommt, was die Technik dahinter mit ihm zu tun hat und was seriöse Institutionen wie ADAC, DEKRA und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft tatsächlich dazu sagen.
Woher der Mythos kommt
Der Eindruck, Elektroautos würden ständig in Flammen aufgehen, entsteht vor allem durch die mediale Berichterstattung. Ein brennendes Elektroauto ist eine Nachricht, ein brennender Verbrenner nicht. Der ADAC bringt es auf den Punkt: Ein brennendes Elektroauto erregt viel Aufmerksamkeit, weil die Technologie noch neu ist und Menschen wie Medien entsprechend sensibel reagieren. Angst sei jedoch unbegründet.
Hinzu kommt, dass Fahrzeugbrände generell keine Seltenheit sind, unabhängig vom Antrieb. In Deutschland brennen im Durchschnitt jeden Tag mehr als 40 Fahrzeuge. Über die allermeisten davon berichtet niemand, weil es sich um Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor handelt. Fängt hingegen ein Stromer Feuer, verbreitet sich das Bild oft rasend schnell. So entsteht eine verzerrte Wahrnehmung, die mit der tatsächlichen Häufigkeit wenig zu tun hat.
Was die Statistik sagt
Wer eine belastbare Aussage sucht, stößt auf eine überraschende Lücke: In Deutschland existiert nicht einmal eine offizielle Statistik darüber, wie oft Fahrzeuge überhaupt brennen. Das betont Markus Egelhaaf von der DEKRA Unfallforschung. Die wenigen belastbaren Zahlen, die vorliegen, zeichnen jedoch ein anderes Bild als jenes vom brandgefährdeten Elektroauto.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, der als Dachverband der Kfz-Versicherer über einen umfassenden Datenbestand verfügt, hält fest, dass sich in den Statistiken der Versicherer keine Hinweise auf ein höheres Brandrisiko von Elektroautos finden. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass E-Autos statistisch keine höhere Brandgefahr aufweisen als ihre benzin- oder dieselbetriebenen Gegenstücke. Die höhere Medienpräsenz führe lediglich zu einer verzerrten Wahrnehmung.
Auch das unabhängige Recherchezentrum CORRECTIV kam bei einem Faktencheck zu dem Ergebnis, dass weder die befragten Fachleute noch die vorliegenden Statistiken eine erhöhte Brandgefahr bestätigen. Diese Einschätzung teilen ADAC, das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung sowie die DEKRA.
Um die Größenordnung einzuordnen: Der Gesamtverband registriert pro Jahr rund 15.000 Fahrzeugbrände, dazu etwa 25.000 Schmorschäden durch Kurzschluss. Dem stehen jährlich rund 2,2 Millionen polizeilich erfasste Verkehrsunfälle gegenüber. Statistisch ist es also weit wahrscheinlicher, in einen Unfall verwickelt zu werden, als dass ein Fahrzeug in Brand gerät. Und dieses ohnehin geringe Risiko verteilt sich keineswegs zulasten der Elektroautos.
Der wahre Kern: frühe Akkus und was sich geändert hat
An einer Stelle hat der Mythos einen wahren Kern. Frühe Lithium-Ionen-Akkus, wie sie in ersten Generationen von Elektrofahrzeugen und in vielen Alltagsgeräten stecken, konnten in seltenen Fällen zur Entzündung neigen. Wer sich an vereinzelte Berichte über brennende Handyakkus erinnert, kennt das Prinzip. Bei einem sogenannten thermischen Durchgehen überhitzt eine Zelle, gibt ihre Wärme an die Nachbarzellen ab, und es kann zu einer Kettenreaktion kommen.
Entscheidend ist jedoch: Dieses Phänomen ist laut Energieversorger EnBW vor allem bei alten oder sehr günstigen Lithium-Ionen-Akkus bekannt. Bei modernen Elektroautos überwachen komplexe Batteriemanagement-Systeme die Akkus permanent und schützen sie vor Überhitzung. Die häufigste Ursache für die wenigen Brände, die dennoch auftreten, ist nicht das Fahrzeug selbst, sondern das Überladen, etwa durch eine Fehlfunktion im Batteriemanagement, einen Ausfall der Kühlung oder ein ungeeignetes Ladegerät auf der Gebäudeseite. Die Technik hat sich seither deutlich weiterentwickelt. Moderne Elektrofahrzeuge setzen zunehmend auf LFP-Akkus, also Zellen auf Basis von Lithium-Eisenphosphat. Diese Bauart ist selbst eine Lithium-Ionen-Variante, gilt aber als thermisch stabiler und gerät schwerer ins thermische Durchgehen. Parallel arbeiten Forschung und Industrie an weiteren Sicherheitsgewinnen. Das Fraunhofer-Umfeld verweist darauf, dass moderne, teils KI-gestützte Batteriemanagement-Systeme Risiken früher erkennen und damit Sicherheit und Zuverlässigkeit spürbar verbessern. Neue Ansätze wie Feststoffbatterien mit festem, kaum entflammbarem Elektrolyt oder Natrium-Ionen-Zellen mit integriertem Brandschutz zeigen, wohin die Reise geht.
Wenn es doch einmal brennt
Kommt es tatsächlich zu einem Brand, unterscheidet sich die Bekämpfung von der bei einem Verbrenner. Ein Batteriebrand lässt sich nicht einfach ersticken, sondern muss über längere Zeit mit Wasser gekühlt werden. Viele Feuerwehren sind darauf inzwischen geschult und können mit brennenden Elektroautos wirksam umgehen. Der Deutsche Feuerwehrverband betont, dass E-Auto-Brände nicht grundsätzlich gefährlicher oder komplexer zu löschen sind als etwa Brände von Gasfahrzeugen, wenngleich spezielle Methoden erforderlich sind.
Auch beim häufig diskutierten Thema Tiefgarage geben Fachleute Entwarnung: Bei einer baurechtskonform errichteten Garage steht das Abstellen und Laden von Elektrofahrzeugen mit einer zertifizierten Ladeeinrichtung nicht im Widerspruch zu den geltenden Vorgaben. Feuerwehr und Versicherer sehen hier keine erhöhte Brandgefahr durch Elektroautos.
Fazit: entspannt elektrisch fahren
Fassen wir zusammen. Elektroautos brennen nach heutigem Kenntnisstand nicht häufiger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Der Mythos speist sich aus einer verzerrten Medienwahrnehmung und aus Erinnerungen an frühe, empfindlichere Akkus. Moderne Elektrofahrzeuge nutzen stabilere Zellchemie und intelligente Schutzsysteme, und die Technik wird kontinuierlich sicherer. Seriöse Institutionen wie ADAC, DEKRA, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und unabhängige Faktenchecker kommen übereinstimmend zu diesem Schluss.
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