12. Januar 2026
Autonome Lieferfahrzeuge: Welche Möglichkeiten gibt es heute?
Die autonome Lieferung gilt als einer der wichtigsten Zukunftstrends in der urbanen Logistik. Steigende Liefermengen, Fachkräftemangel, zunehmende Anforderungen an Nachhaltigkeit und der wachsende Onlinehandel setzen klassische Lieferkonzepte zunehmend unter Druck. Autonome Lieferfahrzeuge versprechen hier neue Lösungen: effizient, emissionsfrei und skalierbar. Doch wie kann autonome Lieferung konkret aussehen?
Autonome Lieferroboter auf Gehwegen – Beispiel REWE
Eine der bekanntesten Formen autonomer Lieferung sind kleine Lieferroboter, die sich selbstständig auf Gehwegen bewegen. Ein prominentes Beispiel ist der autonome Lieferroboter von REWE, der in mehreren deutschen Städten im Rahmen von Pilotprojekten eingesetzt wird.
Diese Lieferroboter transportieren kleinere Einkäufe vom Supermarkt direkt zu den Kundinnen und Kunden im näheren Umfeld. Sie bewegen sich elektrisch betrieben mit geringer Geschwindigkeit, orientieren sich mithilfe von Kameras, Sensoren und künstlicher Intelligenz und sind speziell für kurze Distanzen ausgelegt.
Der Vorteil dieses Konzepts liegt in der hohen Energieeffizienz, der Emissionsfreiheit und den niedrigen Betriebskosten. Gleichzeitig zeigen sich klare Grenzen: Die Transportkapazität ist begrenzt, Reichweiten sind überschaubar und der Einsatz beschränkt sich vor allem auf Wohnquartiere mit gut ausgebauter Infrastruktur. Für größere Liefermengen oder mehrere Stopps ist dieses Modell nur bedingt geeignet.
Autonome Lieferfahrzeuge und Vans – Beispiel ID. Buzz
Eine weitere wichtige Entwicklungsrichtung sind autonome Lieferfahrzeuge auf Basis klassischer Transporter. Ein bekanntes Beispiel ist der autonome ID. Buzz, der als elektrischer Lieferwagen für den Einsatz im Stadtverkehr entwickelt wurde.
Im Gegensatz zu kleinen Lieferrobotern kann ein autonomer Van mehrere Lieferstopps bündeln und deutlich größere Warenmengen transportieren. Diese Fahrzeuge bewegen sich auf öffentlichen Straßen, müssen komplexe Verkehrssituationen bewältigen und sind entsprechend mit umfangreicher Sensorik ausgestattet.
Autonome E-Transporter wie der ID. Buzz eignen sich besonders für den Einsatz auf der letzten Meile in Städten und Vororten. Sie können bestehende Lieferprozesse nahezu vollständig ersetzen und bieten großes Potenzial, den innerstädtischen Lieferverkehr leiser, sauberer und effizienter zu gestalten.
Spezialisierte autonome Lieferfahrzeuge – Beispiel Nuro 3
Zwischen klassischen Lieferwagen und kleinen Gehwegrobotern etabliert sich eine neue Fahrzeugklasse: speziell entwickelte autonome Lieferfahrzeuge ohne Fahrerplatz. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Nuro 3.
Der Nuro 3 ist vollständig auf den Warentransport ausgelegt, elektrisch betrieben und kompakter als ein herkömmlicher Lieferwagen. Er verzichtet bewusst auf einen Innenraum für Fahrer oder Passagiere und nutzt den gewonnenen Platz ausschließlich für Fracht.
Diese Fahrzeuge sind besonders interessant für Lieferdienste, Einzelhändler und Logistikunternehmen, die regelmäßige Routen mit klar definierten Einsatzgebieten bedienen. Sie verbinden höhere Transportkapazität mit einem geringeren Platzbedarf im Straßenverkehr und niedrigeren Betriebskosten im Vergleich zu klassischen Transportern.
Günstige autonome Lieferfahrzeuge – Beispiel Faction (USA)
Einen besonders praxisnahen Ansatz verfolgt das US-Unternehmen Faction. Faction setzt auf günstige, kompakte Elektrofahrzeuge, die speziell für autonome Lieferaufgaben entwickelt wurden. Ziel ist es, autonome Mobilität wirtschaftlich skalierbar zu machen.
Die Fahrzeuge von Faction sind deutlich kleiner als klassische Transporter, benötigen weniger Energie und lassen sich kostengünstig produzieren. Gleichzeitig sind sie für den Einsatz im regulären Straßenverkehr ausgelegt und können höhere Geschwindigkeiten erreichen als Gehwegroboter.
Ein zentrales Element des Faction-Konzepts ist das sogenannte supervised driverless Modell: Die Fahrzeuge fahren autonom, werden jedoch aus der Ferne überwacht und können bei Bedarf von Menschen unterstützt oder gesteuert werden. Dieses Modell gilt aktuell als besonders realistisch, da es Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und regulatorische Anforderungen miteinander verbindet.
Supervised Driverless als bevorzugte Lösung
Die Beispiele zeigen, dass es nicht die eine autonome Lieferlösung gibt. Vielmehr existieren unterschiedliche Konzepte für verschiedene Einsatzzwecke – vom Lieferroboter auf dem Gehweg über autonome Lieferwagen bis hin zu speziell entwickelten, günstigen Lieferfahrzeugen.
Aktuell setzt sich vor allem das supervised driverless Modell durch. Es ermöglicht den praktischen Einsatz autonomer Lieferfahrzeuge bereits heute, ohne auf vollständig fahrerlose Systeme warten zu müssen.
ARI Motors verfolgt diesen Ansatz konsequent und baut die Partnerschaft mit Faction aus. Ziel ist es, günstige elektrische Nutzfahrzeuge mit überwachter autonomer Fahrtechnologie zu kombinieren und marktfähige Lösungen für urbane Logistik, Handel und Gewerbe zu schaffen.
