E-Auto-Restwerte: Warum die Lücke zu Benzinern kleiner ist als gedacht

19. Oktober 2026

E-Auto-Restwerte: Warum die Lücke zu Benzinern kleiner ist als gedacht


Der Wertverlust gilt als eines der hartnäckigsten Argumente gegen das Elektroauto. Wer heute ein E-Fahrzeug kauft, fragt sich, was es in drei oder fünf Jahren noch wert ist. Die gängigen Restwertstatistiken scheinen die Sorge zu bestätigen: Gebrauchte Elektroautos erzielen gemessen am ursprünglichen Listenpreis spürbar weniger als vergleichbare Benziner. Eine Anfang Oktober 2026 veröffentlichte Analyse der europäischen Verkehrs- und Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) kommt nun zu dem Schluss, dass diese Lücke zu einem großen Teil auf Rechenartefakte zurückgeht und deutlich kleiner ist, als es zunächst aussieht.


Was T&E untersucht hat


Die Analyse betrachtet die vier größten Automärkte der Europäischen Union: Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Grundlage sind Restwertdaten des Marktbeobachters Autovista für den Zeitraum von Januar 2020 bis Dezember 2025. Verglichen wurden batterieelektrische Pkw mit Benzinern, gemessen am Anteil des ursprünglichen Neupreises, den ein Fahrzeug beim Wiederverkauf noch erzielt.


Nach der üblichen Berechnungsweise lag der Restwert von Elektroautos im Jahr 2025 um 12,9 Prozentpunkte unter dem von Benzinern. Genau diese Zahl prägt die öffentliche Wahrnehmung und fließt auch in die Kalkulation von Leasingraten ein. T&E argumentiert jedoch, dass die Standardkennzahl mehrere Faktoren nicht oder nur unvollständig abbildet.


Von 12,9 auf 2,6 Prozentpunkte: So kommt die Korrektur zustande


Die Organisation nennt fünf Einflussgrößen, die das Bild verzerren: die Inflation, staatliche Kaufprämien, Zulassungs- und Erwerbssteuern, die Zusammensetzung der betrachteten Fahrzeuge sowie die gesunkenen Preise neuer Elektroautos.


BerechnungsweiseRestwertlücke E-Auto zu Benziner (2025)
Übliche Restwertkennzahl12,9 Prozentpunkte
Bereinigt um Inflation, Prämien, Steuern und Fahrzeugmix7,7 Prozentpunkte
Zusätzlich gemessen an heutigen Neupreisen2,6 Prozentpunkte

Der erste Korrekturschritt ist leicht nachzuvollziehen. Wer in den vergangenen Jahren ein Elektroauto mit Kaufprämie erworben hat, hat effektiv deutlich weniger bezahlt als den Listenpreis. In Deutschland galt das bis zum abrupten Ende des Umweltbonus im Dezember 2023. Misst man den späteren Verkaufserlös am vollen Listenpreis, erscheint der Wertverlust größer, als er für den Käufer tatsächlich war. Zugleich drückt die Prämie die Gebrauchtpreise, denn auch alle anderen Käufer vergleichbarer Fahrzeuge haben sie erhalten.


Noch stärker wirkt der zweite Effekt. Neue Elektroautos sind in den letzten Jahren spürbar günstiger geworden. Ein gebrauchtes Modell konkurriert daher nicht mit seinem eigenen, früheren Listenpreis, sondern mit dem heutigen, niedrigeren Preis eines Neuwagens. Setzt man den Gebrauchtwert ins Verhältnis zu aktuellen Neupreisen, schrumpft die Lücke laut T&E auf 2,6 Prozentpunkte. Das spricht dafür, dass Käufer gebrauchte Elektroautos ähnlich bewerten wie Benziner und der vermeintlich hohe Wertverlust vor allem den Preisrutsch bei Neufahrzeugen widerspiegelt.


Kleine Elektrofahrzeuge halten ihren Wert besser


Ein einheitlicher Markt ist der europäische Gebrauchtmarkt für Elektroautos nicht. In Spanien zeigten sich die Restwerte stabil, Frankreich blieb vergleichsweise robust, während Italien stärkere Rückgänge verzeichnete. Bemerkenswert ist der Befund zu den Fahrzeuggrößen: Kleinere Elektroautos schnitten besser ab als große und teure Modelle. Auch europäische Marken hielten ihren Wert tendenziell besser.


Das deckt sich mit einer einfachen Marktlogik. Große Fahrzeuge mit sehr hohen Akkukapazitäten haben hohe Einstiegspreise, waren besonders stark von Preissenkungen betroffen und werden auf dem Gebrauchtmarkt von einer kleineren Käufergruppe nachgefragt. Kompakte, bezahlbare Fahrzeuge treffen dagegen auf eine breite Nachfrage.


Ältere Stromer verlieren weniger stark als früher


Historisch verloren Elektroautos mit steigendem Alter und wachsender Laufleistung überdurchschnittlich an Wert. Diese Lücke schließt sich laut T&E allmählich. Die jüngsten Daten deuten zudem auf geringere Preisschwankungen und eine schrittweise Stabilisierung der Restwerte hin. Die Organisation wertet das als Zeichen für wachsendes Vertrauen in gebrauchte Elektrofahrzeuge.


Ein Teil der früheren Abschläge erklärt sich aus den großen technischen Entwicklungssprüngen der ersten Generationen. Wenn ein neues Modell plötzlich die doppelte Reichweite bietet, verliert das Vorgängermodell schnell an Attraktivität. Mit zunehmender technischer Reife nimmt dieser Effekt ab.


Was den Gebrauchtmarkt für Elektrofahrzeuge stärken soll


T&E sieht in der falsch eingeschätzten Restwertlücke ein handfestes Problem. Leasinggesellschaften kalkulieren ihre Raten auf Basis erwarteter Restwerte. Sind diese zu pessimistisch angesetzt, steigen die monatlichen Kosten für Elektrofahrzeuge, obwohl der tatsächliche Wertverlust geringer ausfällt.


Um die Unsicherheit bei Gebrauchtkäufern abzubauen, empfiehlt die Organisation mehrere Instrumente: Zertifikate über den Batteriezustand, von Herstellern unterstützte Gebrauchtwagenprogramme und Garantien, die auf den Zweitbesitzer übertragbar sind. Hinzu kommen gezielte Finanzierungsangebote für gebrauchte Elektroautos und besser ausgestaltete steuerliche Anreize.


Einordnung: Was die Studie nicht beantwortet


So aufschlussreich die Analyse ist, sie blickt zurück. Sie erklärt, warum die Restwerte der vergangenen Jahre schlechter aussahen, als sie wirtschaftlich waren. Eine Prognose, wie sich ein heute gekauftes Elektrofahrzeug in einigen Jahren am Markt behauptet, liefert sie nicht. Zudem bezieht sie sich auf Pkw. Für elektrische Leichtfahrzeuge und kleine Nutzfahrzeuge gelten eigene Marktmechanismen, die in der Untersuchung nicht abgebildet sind. Und T&E ist als Umweltorganisation kein neutraler Beobachter, sondern setzt sich aktiv für die Elektromobilität ein. Die Methodik ist dennoch nachvollziehbar, denn Inflation, Prämien und Neupreisentwicklung sind reale Faktoren, die jede ehrliche Restwertbetrachtung berücksichtigen sollte.


Was das für Ihre Fahrzeugentscheidung bedeutet


Für Ihre Kaufentscheidung heißt das vor allem: Der Restwert ist nur eine Größe in der Gesamtrechnung. Entscheidend sind die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer, also Anschaffung, Energie, Wartung, Steuern und Wiederverkauf. Bei den Betriebskosten liegen Elektrofahrzeuge klar vorn, wie auch die ICCT-Studie 2026 zum Kostenvorteil von Elektrofahrzeugen zeigt.


Die Befunde zu kleinen Fahrzeugen sind für kompakte E-Mobilität eine gute Nachricht. ARI Leichtfahrzeuge setzen bewusst auf kleine, modular aufgebaute Akkus statt auf die großen Batteriepakete moderner E-SUV. Als Standard kommt bei den meisten aktuellen Modellen die robuste LiFePO4-Technik zum Einsatz. Der Akku ist bei ARI stets im Fahrzeugpreis enthalten und wird nicht gemietet, was einen späteren Verkauf deutlich vereinfacht. Welche Garantie für Fahrzeug und Akku gilt, erfahren Sie in unserem Magazin. Da die Technik unkompliziert ist und jede freie Werkstatt sie warten kann, lässt sich Ihr Fahrzeug auch beim Zweitbesitzer problemlos reparieren.


Wer das Restwertrisiko gar nicht selbst tragen möchte, kann sein Fahrzeug auch leasen oder finanzieren, wahlweise mit Kaufoption zum Restwert. Für gewerbliche Käufer kommt ein steuerlicher Hebel hinzu: Die Sonderabschreibung von 75 Prozent im Anschaffungsjahr gilt für betriebliche Elektrofahrzeuge, die bis Ende 2027 angeschafft werden, und laut Bundesfinanzministerium ausdrücklich auch für gebrauchte E-Fahrzeuge. Ein Überblick über weitere Steuervorteile Ihres ARI Elektrofahrzeugs sowie die jährlich nutzbare THG-Quote runden die Rechnung ab.


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